9 Karrieretipps für den Büro Alltag in einem Konzern Storytelling

Man hat es ja nicht gerade leicht als junger Mensch, der sich – warum auch immer – von einem großen Konzern einstellen ließ. Nachdem Sie aber begriffen haben, dass es nur nebensächlich um die Produkte geht, können Sie sich endlich voll und ganz auf Ihre Karriere konzentrieren. Hier folgen 9 Tipps.

Advanced tip for engineering careers (kurz AT4EC)
Du hast dir in deinem Laptop einen Prozess oder Ablaufplan überlegt, durch den nun offensichtlich alles besser wird. Zunächst einmal: Nenne es lieber Methode, das klingt akademischer. Aber Vorsicht: Jeder weiß, dass eine neue Methode nur so gut ist wie ihr Name. Verwende also mindestens so viel Zeit auf den Namen wie auf das Prinzip. Puzzle dazu so lange englische Schlagwörter zusammen, bis ein wohlklingender Name aus den Anfangsbuchstaben zustande kommt. Perfekt, nun ist deine Methode einprägsam und zeugt von Kreativität. Aber führe die Methode mit Bedacht ein. Warum? Studiere doch einmal eingehend das Verhalten im Affengehege bei Anwesenheit einer saftigen Ananas (kurz Abaesa). Wenn die Ananas lecker duftet, wirst du schon allen zeigen, dass du sie hast, da es vermutlich deine soziale Stellung erhöht. Aber wenn sie wirklich lecker ist, wird es wahrscheinlich nicht lange deine Ananas bleiben und ein anderer nimmt sie dir weg.

Aktionismus ist kein Problem, es löst Probleme
Niemand kennt in deinem Umfeld die Ursache eines Problems, doch dann entdeckst du beim Durchstöbern von Daten zufällig eine kleine Abweichung und hast auf einmal eine Idee, woran es liegen könnte …. Super, du hast die Lösung des Problems auf jeden Fall gefunden, aber sage lieber nur, dass du eine Theorie hast, du willst doch dein Understatement bewahren.
Setze durch, dass diese Sache mit allen möglichen Ressourcen verfolgt wird. Achte darauf, dass sich niemand davor drückt und womöglich noch in einem stillen Kämmerlein irgendwelche Bücher wälzt und von Kausalität und Logik redet. Pass auch auf, dass keiner irgendwelche weiteren oder anderen, womöglich noch wissenschaftlichen, Daten erhebt. Das dauert zu lange. Bei solchen Problemen führt nämlich nur eine schnelle und gemeinschaftliche Anstrengung zum Erfolg.

Ein Arbeitnehmer, der die Basis-Rechenoperationen beherrscht, kann jederzeit zum Exceltoolator aufsteigen.
Du hast ein nützliches Tool in Excel erstellt und vielleicht sogar Visual Basic benutzt und es geschafft, dass dieses Tool alle in deiner Abteilung einheitlich verwenden wollen? Glückwunsch, zum Dank wurdest du wahrscheinlich schon zum Exceltoolator ernannt. Andere Lösungen werden ab jetzt nicht mehr gebraucht – Moment mal, Exceltoolator fragst du dich? Das klingt ja fast wie Diktator. Dabei erledigt das Tool doch nur – und zur Entzückung aller – die EDV etwas effizienter. Hier die Lösung für Gewissensbisse: Ergänze das Firmen-Logo, dann bist du zumindest schon einmal ein autoritärer statt totalitärer Exceltoolator. Schon besser, oder? Schütze noch den Code mit einem Passwort und sperre die wichtigen Reiter, man weiß ja nie, ob nicht ein junger Revoluzzer deine dynamische Programmierung verstehen möchte, und sie dabei beschädigt. Du weißt, dass er es wahrscheinlich gut meint, aber Veränderungen werden ab jetzt in der EDV nicht mehr gebraucht und wenn doch, würdest du das schon erkennen und selbst lösen, wie du es bereits getan hast.

In jedem Entwickler steckt ein Künstler der abstrakten Analytik
Versuche es doch einmal mit einem Kästchen-Pfeilchen-Diagramm, wenn die Zusammenhänge wirklich komplex sind. Bilder sagen schließlich mehr als tausend Worte. Wenn du es schaffst, genug Schlagwörter für die Kästchen zu finden und alle Pfeile irgendwo hinführen und alle Kästchen verbunden sind, dann – ja dann – hast du die komplexe Materie wirklich verstanden. Du musst es dann auch niemanden mehr durch situative Vereinfachung und Ableitungen von Beispielen und Analogie erklären. Es reicht vollkommen aus, wenn du ihm das Diagramm übergibst. Denn merke: Normalos können solche Diagramme sofort verstehen und analytische Genies erstellen diese deshalb für Normalos. Du hast Befürchtungen, dass deine Kollegen vielleicht nicht ganz so klug wie Normalos sind? Versuche das durch Hinzufügen von Piktogrammen zu kompensieren. Du weißt nicht genau, welche Piktogramme wirklich passen und kannst auch nicht designen? Egal, Hauptsache Piktogramme, das erhöht den visuellen Zugang.

Beherrsche die visuelle und ewige Gedankenübertragung
Du hast eine Powerpoint-Präsentation erstellt, auf der wirklich alles dargestellt ist und ausführlich mit Text erörtert? Du hast an jede noch so kleine Information und an eine systematische Gliederung gedacht. Dann kannst du während der Präsentation den Raum verlassen. Du hast deinen Job so gut gemacht, dass dich keiner vermissen wird. Hole in der Zwischenzeit nach, was die ganze Woche dafür liegen geblieben ist. Noch eins, vergiss nicht, die Präsentation irgendwo abzuspeichern, schließlich sollen ja noch Generationen nach dir aus deiner guten Dokumentation in der Cloud lernen.

Nutze das Rätsel-Talent deines Chefs
Es gibt in deinem Fachbereich ein Problem, doch dein Chef schenkt dir kein Gehör und verlangt, dass du zu einer Besprechung in größerer Runde einladen sollst. Recht so. Er erwartet von dir, dass du Folgendes machst: Visualisiere möglichst viele problembezogenen Daten in Excel und kopiere sie in eine Powerpoint-Präsentation – du musst das Dargestellte gar nicht verstehen – dein Chef versteht sich auf das Lösen solch schwieriger Rätsel. Er wird das Problem und die passende Lösung schon finden. Aber Vorsicht! Vermeide es, den Teilnehmern der Besprechung vorab Informationen zukommen zu lassen. Schließlich kann der Chef seine Fähigkeiten nur voll ausspielen, wenn alle mit dem Beginn der Besprechung die gleiche Zeit zum Lösen haben. Nutze die Zeit und beobachte die anderen, du wirst feststellen, dass viele deiner Kollegen schnell auf die gleiche Lösung kommen, auch wenn sie es etwas anders ausdrücken werden. Das ist die statistische Bestätigung, dass das Rätsel von deinem Chef bereits richtig gelöst wurde. Das bedeutet, dass diese Kollegen bereits fast so gut sind und wahrscheinlich bald von ihm befördert werden.

Eine to-do-Liste ist Legislative, Exekutive und Judikative in Excel-Union
Du hast vergessen, die tägliche to-do-Liste zu aktualisieren? Oh Gott, das Projekt war doch schon gegen die Wand gefahren. Warum lässt du jetzt auch noch die Wand drauf fallen? Hier der Tipp: Vernachlässige niemals, wirklich niemals, die to-do-Liste, sonst passieren so Sachen wie in diesem Abschnitt und du verspielst deine totale Glaubwürdigkeit. Niemand kann nun mehr prüfen, was du gemacht hast. Wie willst du so jemals beweisen, dass du die Wand nicht womöglich sogar mit Absicht umgeschubst hast?

Die Minion’sche Ampel Regel
Eine Ampel ist eine tolle Analogie um Projektstände zu visualisieren und wesentlich erwachsener als z.B. Smileys. Halte es aber trotzdem wie das Zeichnen von Minions bei deinen Kindern. Sorge dafür, dass sie immer alle gelb sind. Werden deine Projektstände zu früh grün, kannst du bald keine Fortschritte mehr verkaufen und kommst in Erklärungsnot. Leider wird dir keiner glauben, dass du dein Projekt so gut im Griff hast, schon gar nicht, wenn eine Ampel während des Projektes wieder auf Gelb zurückfallen sollte. So eine grüne Statusvergabe ist doch höchst unseriös. Aber wende auch die Banana-Rot-Regel an: Wenn eine Ampel eigentlich rot ist, fahr trotzdem drüber und falls du erwischt wirst, sage Folgendes: »Aber, Herr Projektaufseher, Sie war doch noch gelb, als ich das letzte Mal draufgeschaut habe« – abwechselnd mit: »Nein, nein, das sehen nur Sie so, dass ich über Rot gefahren bin.« Umso öfter du es sagst, umso wahrer wird es.

Die ultimative Methode für Doktoranden
Da gibt es diese wissenschaftliche Methode, die ich aus sehr schwer verständlichen Schriften erlangt habe. Ich habe sie in mühevoller Detailarbeit speziell auf das vorliegende Problem angepasst. Die Begriffe, die ich verwende, um sie zu erklären, sind trotz Fachvokabular stets so allgemeinverständlich, dass noch nie jemand nachfragen musste. Alle waren immer total sprachlos. Leider konnte ich diese Methode bisher nur im ausgewählten Vier-Augen-Gespräch und mit wenig Zeit vorstellen. Ich kann sie auch hier und jetzt verständlicherweise nur abstrakt und nicht im Detail beschreiben, da ich nun zum nächsten Abschnitt kommen muss. Aber lass‘ mich dazu nur eins sagen: Durch diese Methode bin ich kurz davor zum Methodenleiter des VDI aufzusteigen. Falls dies geschieht, werde ich meine Position einsetzen und alle Ingenieure zu unermesslicher Effizienz und Innovation führen.

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